Telekom verhandelt mit Kreis, Funknetz-HG versorgt nächsten Stadtteil mit Funk-DSL


Funknetz-HG Mast Wiebelsbach

Wolff Ehrhardt hat gut lachen: Währned die Telekom noch verhandelt, installiert er das nächste Relais für Funk-DSL

21.03.2014  Kleestadt hat es, in Klein-Umstadt ist es möglich und nun steigt auch Wiebelsbach ein: In drei Stadtteilen Groß-Umstadts nutzen Bewohner mittlerweile Funk-DSL über den Anbieter Funknetz-HG. Dieser möchte eine schnelle Alternative für schlecht versorgte Regionen bieten. In Kleestadt kommt das bisher sehr gut an.

Schnelles Surfen in Groß-Umstadt? Nach wie vor ist dies häufig Wunsch statt Wirklichkeit. Der beschlossene Breitbandausbau lässt nun hoffen: Die Telekom soll dafür sorgen, dass innerhalb von drei Jahren auch in Groß-Umstadt schnelles Internet – mit bis zu 50/10 Mbit/s Bandbreite – verfügbar ist. Telekom-Pressesprecher George-Stephen McKinney sagt dazu auf Anfrage der Umstädter Spätlese:

 

 “Aktuell sind wir dabei, einen Vertrag mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg abzuschließen. Auch Groß-Umstadt soll bei dem kreisweiten Projekt dabei sein. Da die Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, kann ich Ihnen dazu keine weiteren Informationen geben.” (13.3.2014)

Vectoring ist das Stichwort, wenn es um Highspeed-Internet geht: Die Telekom setzt diese auch beim geplanten Ausbau des DSL-Netzes ein. Mit dieser Technik könnten langfristig auch Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload möglich sein.

120306_FTTH_konv_CI

Vectoring ist die Zukunft. Für viele Umstädter wäre aber bereits herkömmliches DSL mit bis 16 Mbit/s ein echter Gewinn

Um bereits jetzt schneller zu surfen, hat Martin Lautenschlager hingegen selbst Initiative ergriffen: Der Computerfachmann hat vor einem halben Jahr DSL per Funk nach Kleestadt geholt. Der Betreiber Funknetz-HG bietet vom großen Feldberg aus in einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern Funk-DSL an. Als dessen Partner wirbt Martin Lautenschlager für dieses Angebot. Inzwischen sind etwa 30 Kleestädter dabei – Tendenz steigend.

Gegenüber dem herkömmlichem DSL in Kleestadt versprechen die Tarife der Funknetz-HG deutlich schnelleres Surfen: Bis zu 20 Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload sollen bei einem monatlichen Datenvolumen von 100 Gigabyte möglich sein. Bei Überschreiten des Volumens drosselt der Betreiber auf bis zu 6 Mbit/s im Down- und 1,5 Mbit/s im Upload. Für diesen schnellsten „Fairflat“-Tarif zahlt der Kunde 38,80 Euro im Monat sowie eine einmalige Gebühr für die Hardware. Der günstigste Tarif beginnt hingegen bei 17,90 Euro; dafür surft der Kunde mit 2 Mbit/s im Download und 1 Mbit im Upload und hat ein monatliches Frei-Volumen von 5 Gigabyte.

Ruckelfreie Videos mit dem neuen Anschluss

Das Prinzip: Die Kunden installieren auf dem Hausdach eine Antenne. Diese Antenne steht in Funkverbindung mit dem Relais – dem Hauptempfänger, den der Betreiber auf einem Dach vor Ort anbringt. Ohne freie Sichtverbindung zum Empfänger funktioniert dies allerdings nicht: „Wir sagen immer kein Baum, kein Strauch, keine Fenster“, betont Geschäftsführer Wolff Ehrhardt. Auch Häuser stören die Funkverbindung erheblich. Wenn also – wie in Kleestadt – mehrere Bewohner eines Ortes Interesse haben und diese über den Ort verteilt wohnen, baut Ehrhardt „Unter-Relais“ auf, welche die Daten weiterverteilen.

Gerüstet sei das Funk-DSL auch für Inversionswetterlagen, welche die Verbindung erheblich stören können. „Man muss Reserven einrechnen. Wenn man das nicht machen würde, hätte man einen Ausfall“, sagt Ehrhardt. Doch wie kommt das Angebot bei den Kleestädtern an? „Ich habe bisher nichts Negatives gehört. Die, mit denen ich Kontakt hatte, haben nur gesagt, es ist durchweg positiv zu bewerten“, meint Ortsvorsteher Gehard Dubrau.

Auf dem Dach seines Hauses ist der Hauptempfänger in Kleestadt installiert. Dubrau selbst hat den schnellsten Tarif mit bis zu 20 Mbit/s gebucht. Nach eigenen Angaben surft er nun mit 16 Mbit/s statt – wie zuvor über DSL mit bis zu 1 Mbit. Mit der neuen Verbindung könne er nun endlich Videos ruckelfrei ansehen. Allerdings behält sich der Ortsvorsteher vor, wieder zu wechseln, wenn durch den Breitbandausbau höhere Geschwindigkeiten möglich sein sollten.

Neben dem Hauptempfänger auf dem Hausdach von Gerhard Dubrau sind in Kleestadt auch zwei weitere Relais-Stationen auf Dächern in der Jürgen-Schumann-Straße und in der Brandenburger Straße angebracht. Über letztere geht etwa Jörg Babarski ins Netz. Babarski nutzt einen „Fairflat“-Tarif mit bis zu 10 Mbit/s und surft nach eigenen Angaben mit konstanten 9 Mbit/s; auch er ist sehr zufrieden. Zwar sei das Netz einmal einen Tag ausgefallen, aber diese Störung sei schnell behoben worden.

Die Telekom wirbt gezielt für Funk-DSL in Groß-Umstadt

Wie Wolff Ehrhardt betont, haben Kunden mit den AGBs ohnehin ein Druckmittel in der Hand; dort ist vermerkt, dass der Kunde fristlos kündigen kann, sofern von Funknetz-HG verantwortete Störungen länger als fünf Werktage andauern.

Im Vergleich dazu: Dieser Tage fanden viele Umstädter die Telekom-Werbung zu deren Funk-DSL in ihrer Post. Die Wurfsendung war an die Umstädter Haushalte adressiert und demnach eine gezielte Werbemaßnahme. An einer Stelle heißt es:

 

“Wir haben unser Mobilfunknetz für Sie ausgebaut. So kommen Sie auch außerhalb von Städten in den Genuss von Highspeed-Internet bei Ihnen zu Hause (…)”

 

SONY DSC

Diese Werbesendung der Telekom hatten viele Umstädter in ihrer Post

Die Tarife starten bei 34,95 Euro. Dafür gibt es 16 Mbit/s für den Download und 1,4 Mbit/s beim Upload, begrenzt auf 10 Gigabyte im Monat – danach wird auf 384 Kbit/s beim Download gedrosselt. Stichprobenartig hat die Umstädter Spätlese nach verfügbarem Funk-DSL bei der Telekom nachgefragt. Das enttäuschende Ergebnis: In Kleestadt, Richen und Klein-Umstadt gab es keine Möglichkeit, als Alternative zur DSL-Leitung Funk-DSL zu beziehen – entgegen der Werbebotschaft. In der Kernstadt und Raibach gab es bei dieser Nachfrage die Möglichkeit, bis zu 16 Mbit/s beim Download zu bestellen. Andere Ortsteile wurden nicht getestet.

Wolff Ehrhardt bietet Funk-DSL überall dort an, wo mindestens fünf Bürger Interesse haben. Dann bringt er – oder einer seiner Partner – vor Ort ein Relais an. Die notwendige Antenne erwerben die Nutzer in der Regel mit Abschluss des Vertrages. Eigentlich, sagt Ehrhardt, sei es auch möglich, Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s anzubieten. Die hierfür notwendige Technik sei aber sehr teuer, so dass dies nur infrage komme, wenn Kommunen bereit seien, dies finanziell zu unterstützen.

In Wiebelsbach jedenfalls ist mit dem dem ersten Relais der Grundstein für das Surfen per Funk über den Betreiber aus Oberursel gelegt. Derweil wird angestrebt, das Angebot auch auf Heubach auszuweiten.

 

Ein Beitrag von:

Chefredaktion

Fabian Sell

Chefredaktion

Marco Wandura