Back to life: Unermüdliches Engagement von Stella Deetjen in Nepal


 

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Deetjen war bereits zu Gast bei Christian Schads Talk-Show. Rechts im Bild: MPG-Lehrerin Ulrike Henning  Foto: Birgit Hartmann-Thierolf

 

19.05.2014  „Stella Deetjen ist der lebende Beweis dafür, seinem Herzen zu folgen. Und das aus dem Traum viel werden kann!“ Mit diesen Worten stellt Christian Schad den Gast am Max-Planck-Gymnasium vor, Stella Deetjen aus Bad Homburg. 2006 erhielt sie für ihren Einsatz in New York die Auszeichnung „Women´s World Award of Hope“.

Eigentlich beginnt alles durch einen Zufall, als Stella Deetjen als junge Frau eine Rucksacktour durch Asien macht. Auf ihrer Reise trifft sie viele an Lepra erkrankte Menschen, die am Straßenrand liegend von niemandem mehr beachtet werden. Als sie nach ein paar Reisetagen an Bauchschmerzen leidet, wird ihr überraschend von einem Leprakranken Hilfe angeboten. Diese Begegnung lässt sie nie wieder los. Mit Hilfe ihres Bruders gründet sie das Hilfsprojekt „Back to life“. Seit 20 Jahren lebt Stella Deetjen in Nepal.

„Ich möchte euch einladen zu einer Reise nach Nepal – genauer gesagt in eine Region namens Mugu“, beginnt Deetjen, als sie das Hilfsprojekt den Schülern in Groß-Umstadt vorstellt. Denn das Leben in manchen Gegenden sei wahrhaft abenteuerlich und erinnere eher an das Mittelalter als an 21. Jahrhundert. Die Menschen dort werden von Deetjen „die Vergessenen“ genannt, denn weder der Regierung noch den Bewohnern der Großstädte seien sie bekannt. Hungersnöte und Armut dominieren das Leben der 55.000 Einwohner in den Bergen Mugus. Es gibt weder medizinische Versorgung noch Hygiene. Die Sterblichkeitsrate ist hoch; die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 44 Jahre.

Geburt unter schlimmen Bedingungen

Mit eindringlichen Beispielen zeigt Stella Deetjen die Situation in den Bergen, welche dominiert wird durch alte Traditionen und wenig Aufklärung. Da die Religion der in Mugu lebenden Menschen besagt, dass ihre Götter in den Häuser des Volkes leben und vor Blut zurückschrecken, müssen menstruierende, aber auch gebärende Frauen das Haus verlassen, um die Götter nicht zu verärgern. Die einzige Möglichkeit ist, während dieser Zeit im Wald oder im Kuhstall zu leben. Sogar 20 Tage nach der Geburt des Kindes müssen die Frauen in diesen unhygienischen Bedingungen verweilen, was das Risiko einer Infektion stetig erhöht.

Ein weiteres großes Problem ist die sehr hohe Analphabetenrate. 75 Prozent der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben. Kaum eine Frau hat jemals eine Schule besucht, was allerdings nicht daran liegt, dass sie keine Schule besuchen dürfen. Das Problem: In Nepal herrscht die Pflicht eine Schuluniform zu tragen, für welche die meisten Eltern kein Geld aufbringen können.

Stella Deetjen

Anerkennung für die harte Arbeit: 2006 überreicht Michail Gorbatschows Deetjen die Auszeichnung „Women´s World Award of Hope“ Foto: Back to life

So ist die Situation, als Stella Deetjen mit ihrem Team in einem der kleinen Dörfer in den Bergen ankommt. Nach einer Phase der Evaluierung und Datensammlung beginnt sie ein Projekt nach dem anderen aufzubauen. In Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung wird ein Geburts- und Gemeinschaftshaus errichtet, in welches sich Frauen und Mütter sicher zurückziehen können. Es bietet nicht nur umfangreiche medizinische Versorgungen, sondern dient auch als Ort der Aufklärung für Aids und Empfängnisverhütung.

Deetjen legt großen Wert darauf, dass dieses Haus von allen akzeptiert wird, vor allem auch von den Männern. Zu allen Überraschung wird es von allen herzlich angenommen; ein Vorstand mit einer Frau als Oberhaupt soll dafür sorgen, dass es immer weiter ausgebaut wird. Seit der Errichtung hat keine Frau mehr ihr Kind im Wald oder im Kuhstall der Familie zur Welt gebracht.

Hilfsprojekt ermöglicht Bildung und Arbeit

Damit so viele Kinder wie möglich eine Schulbildung erhalten, beginnt Deetjen nun mit ihrem Team Kindertagesstätten auszubauen, Schulen zu errichten. Auch eigene Schuluniformen werden angefertigt. Da in den Bergen kein Gemüse angepflanzt werden kann, prüft ein Gutachter die Erde. Mit seiner Hilfe wird ein Gewächshaus errichtet. Auch Weiterbildungen und Schulungen werden ermöglicht, damit jede Familie sich ein Standbein aufbauen kann, um davon leben zu können. So berichtet Stella Deetjen von Familien, welche sich auf Salatanbau konzentrieren, während andere eine Kaninchenzucht starten und wieder andere eine Schmiede eröffnen.

Vorausblickend plant das Helferteam jedoch weiter. Während all der Arbeit und Neuerrichtungen lernen die Bürger auch, wie sie ihr minimales Vermögen sparen können. Es werden sogenannte Sparprogramme gestartet, welche nach einer Zeit sogar Mikrokredite ermöglichen. Für jede Anschaffung, zum Beispiel Toiletten für mehr Hygiene und Öfen zum Holzsparen, muss jede Familie einen kleinen Betrag bezahlen. So baut sich das Dorf langsam ein Kapital auf.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ als Ziel

Das Ziel der Organisation „Back to life“ soll jedoch nicht sein, sich auf ein Dorf zu konzentrieren, sondern durch viele kleine Projekte „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, und das Projekt immer weiter zu tragen. So soll diese Hilfe ganz Mugu erreichen.

Am Abschluss ihres Vortrags legt Stella Deetjen jedoch eine Pause ein und betont: „Diese Menschen in Nepal brauchen dringend unsere Hilfe. Aber dabei darf man eines nie vergessen: Man muss nicht bis nach Nepal schauen, um zu helfen. Die Menschen hier im Westen scheinen äußerlich alles zu haben. Oft sind sie innerlich jedoch sehr einsam. Hilfe bedeutet also auch, einem alten Menschen über die Feiertage die Hand zu halten und zuzuhören.“

 

Ein Betrag von: Rebekka Bareith

 

Vorschaubild: Back to life